Wilhem Hager -   Bildhauer und Kunstmaler, von archaisch bis informell

Bildhauer und Kunstmaler Wilhelm Hager, * 26.05.1921 in Karlsbad (Tschechien), † 14.10.2006 in 75428 Illingen (Württ.), Süddeutschland.
Wilhelm Hager brach in der Zeit von 1960 bis 1970 mit allen künstlerisch-handwerklichen Konventionen und verwirklichte sich in seiner "informellen Phase" in spontanem und extravertiertem Kunst- schaffen, nachdem er durch eine Serie aufsehenerregender Portrait- 
Aufträge (Hermann Hesse, Theodor Heuss, Thomas Mann, Stefan Andres) und seiner Meisterleistung als Kopist (Kopie der Jagdgöttin Diana von Guercino / Ludwigsburger Schloß) überregional und auch international bekannt wurde.

                 Theodor Heuss               Hermann Hesse               Stefan Andres               Thomas Mann 
Das Theodor-Heuss-Portrait entstand 1958. Es existieren fünf Bronze-Güsse, diese befinden sich in der Landesbibliothek Stuttgart, im Kultusministerium Stuttgart, im Theodor-Heuss- Gymnasium Mühlacker und im Schiller-Museum in Marbach. 
Das Hermann-Hesse-Portrait entstand 1954 in Montagnola. Bronzegüsse befinden sich im Schillermuseum in Marbach, im Hermann-Hesse-Museum in Calw, sowie in der Galerie Valentien in Stuttgart. 
Stefan Andres entstand 1954 im Auftrag des Nordwestdeutschen Rundfunks. 
Die Thomas-Mann-Büste entstand 1954 in Kilchberg am Zürichsee. Bronzegüsse befinden sich bei dem Sammler Dr. Rauter in Säckingen, im Schillermuseum in Marbach, ein weiterer in der Galerie Valentien in Stuttgart, sowie im Metropolitan Museum in New York.

Der 
Bundespräsident 
Theodor Heuss 
und Bildhauer und Kunstmaler 
Wilhelm Hager 
bei der Entstehung 
des Heuss-Portraits.

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 Die Jagdgöttin Diana von Guercino
- Kopie von Wilhelm Hager, geschaffen 1953 - 
das Original hängt im Ludwigsburger Schloß
in Ludwigsburg


 Psyche - 1947
Leda mit dem Schwan - 1947

 
Die wilden 60er
Die Kontakte zur Galeria Vinciana in Mailand, waren für Wilhelm Hager der Auslöser für die Informelle Malerei. Die Idee, Farbpigmente mit Kutschenlack in Verbindung zu bringen, schuf die technische Basis für Wilhelm Hagers spezielle "informelle Malerei". 
 
 
 
Michael Ernst über Wilhelm Hager und die Informelle Kunst

Künstler lassen sich historisch einordnen, ihre Kunst kann zu einem gewissen Grad wissenschaftlich erfaßt werden. Ihre Werke lassen sich mit Worten meist so beschreiben, daß sie eindeutig identifizierbar sind. 
Jenseits dieser Kategorien gibt es den Künstler als autonome Persönlichkeit, den intellektuellen, reflexiven Anspruch an das eigene Werk, seine mehr oder weniger zielgerichtete Kreativität, sein emotionales oder sogar körperliches Engagement während des Schaffensprozesses. 
Wilhelm Hager hat mit sechzehn Jahren eine klassisch-akademische Ausbildung an der Kunsthochschule Weimar begonnen, in einem Alter also, indem das Nachvollziehen der Lehrinhalte sicherlich wesentlicher war, als das Hinterfragen der eigenen Intentionen. Daß Kunst von Können kommt, und daß Könnerschaft meßbar sei, war ein Grundsatz der Lehre, dem auch Hager folgte. 
Ab Ende der fünfziger Jahre wandte sich Wilhelm Hager allerdings einer Kunstrichtung zu, die die bisherigen Bewertungskriterien außer Kraft zu setzen schien. Die gegenstandslose Malerei des Informell basierte nicht mehr auf Formelementen, die durch Begriffe wie „Kreis", „Quadrat",  „Rechteck" beschrieben werden konnten. Im Gegensatz zur geometrischen Abstraktion zeichnete sich das Informell durch seinen mangelnden theoretischen Überbau aus. Versuche, informelle Werke kunstkritisch zu erfassen, geraten ins Schwimmen, weil die Bilder objektiv keine sachlich umgrenzbaren Worte hergeben; sie weisen keine beschreibbaren Elemente auf, die sie eindeutig identifizieren lassen. Die Bildfläche wird zum Aktionsfeld, die Bildkomposition tritt zugunsten einer gesteigerten Spontanität in den Hintergrund. Bei Hagers großformatigen mittels Honigspendern und Heißluftföhn gemalten Lackbildern wurde durch Geschwindigkeit ein Teil der Malkontrolle geopfert. Er überlistete sich durch das gesteigerte Maltempo absichtsvoll, um Zufälliges hervorzurufen und dadurch mit neuen malerischen Problemen konfrontiert zu werden. So wie bei den Musikimprovisationen im Jazz die Komposition durch den konstanten Dialog mit anderen Musikern entsteht, schafft der Maler ein Bild, indem er ihm einen eigenen Willen zur Formwerdung einräumt, es als Gegenüber ansieht. Durch den Prozeß des Mit- und Gegeneinander scheint etwas zustande zu kommen, das nicht allein vom Künstler beeinflußt worden ist. Dieses Anonyme wurde von Kandinsky, dem ersten abstrakten Maler, als „mit dem Ganzen in Verbindung kommen" umschrieben. 
Hagers Gespür für die Gleichzeitigkeit von Idee und Ausführung dürfte zwei Quellen gehabt haben. Seine eigenwillige Technik des Aquarellierens zwang ihn dazu ein Bild binnen zwei oder drei Minuten zu malen. Und die in den fünfziger Jahren entstandenen Bronzeköpfe von Thomas Mann, Hermann Hesse und Theodor Heuss wurden in eineinhalb Stunden fertiggestellt, da er den Zeitdruck dieser Persönlichkeiten respektierte. 
Speziell beim Portraitieren kommt Hagers Arbeitsweise deutlich zum Vorschein; seine Modelle müssen sich bewegen, halten sie für längere Zeit still, gerät auch Hager aus seinem Schaffensfluß. So mußte der Künstler immer einen Dialog mit dem zu Portraitierenden aufrechterhalten, um Lebendigkeit und möglichst viele Facetten des Gesichtsausdrucks widerspiegeln zu können. Vielleicht läßt sich Hagers Vorgehensweise mit der Arbeit eines Modefotografen vergleichen, der innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl von Aufnahmen eines sich bewegenden Modells macht. Während der Blick dem zu Portraitierenden folgt, setzen die Hände in diesem Fall das Gesehene zeitgleich in Ton um.-
Die neben den expressiv-vegetativen Lackbildern 1998 in der Galerie Gerling, Bettingen/Eifel gezeigten Skulpturen aus Alusil sind nicht nur hinsichtlich ihrer Form, sondern auch speziell hinsichtlich ihrer Machart einzigartig. Sie weisen nicht nur die „Nicht-Form" auf, die vielen Skulpturen des Informell gemeinsam ist, sondern sie flechten auch durch die gesteigerte Geschwindigkeit das Moment des Zufalls mit ein. Der Ausgangspunkt dieser Arbeiten ist ein Styroporblock, aus dem in Windeseile mittels eines florettartigen heißen Drahtes eine Skulptur herausmodelliert wird. Auch hier werden, wie in der Malerei, die durch Geschwindigkeit eigens hervorgerufenen Problemstellungen sofort pariert - in diesem speziellen Fall sogar mit einem Florett.


Bei einem Interesse an Werken aus dem künstlerischen Nachlaß des Bildhauers und Malers Wilhelm Hager wenden Sie sich bitte an die 
Galerie Gerling
Prümtalstraße 5
D-54646 Bettingen
Tel.  0 6527 1313
Fax  0 6527 93142
email über: agentur-t@t-online.de

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1921-2006
Wilhelm Hager
Werk und Beiwerk, Ausstellung in der Kelter Illingen
Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, 13. Juli 2007 um 19 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein. 
Begrüßung Harald Eiberger Bürgermeister
Einführung Regina M. Fischer Kunsthistorikerin
Ausstellungsdauer 13.07.2007 bis 22.07.2007
Öffnungszeiten Sa 14 bis 18 Uhr 
So 11 bis 18 Uhr
Mo bis Fr 16 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung
75428 Illingen, Posthof
Kontakt 
0151 144 375 66

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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